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Campreport - Der Nachbericht 2008
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Wer träumt nicht davon: eine schöne Tour durch eine phantastische Landschaft unternehmen, abends in ein tolles Hotel einkehren, zur Entspannung etwas Yoga machen und das zusammen mit über 20 Frauen! Halt liebe Männer, bevor euer Gehirnkino jetzt anfängt zu rattern, das Angebot „Bike und Yoga“ der Agentur „Die Rasenmäher“ richtet sich ausschließlich an Frauen! Genau das Richtige also für pedaliéro-Sonnenschein Eliane Lehmann, um einmal Abstand von ihren ausschließlich männlichen Kollegen zu bekommen und die miefigen Redaktionsräume zu verlassen. Hier ist ihr Erlebnisbericht! Von Eliane Lehmann

Schweißgebadet, aber glücklich sitze ich auf einer Bank mitten im Kleinwalsertal. Neben mir ertönen die Glocken der Allgäuer Kühe, vor mir steht ein großer Humpen mit kalter Buttermilch. Berggipfel wohin das Auge auch reicht – mir fehlen die Worte! Genüsslich nehme ich erst einmal einen großen Schluck. Wie das schmeckt! Kaum habe ich das eisgekühlte Getränk im Mund, steht ein älterer Mann mit Wanderstock und grünem Filzhut neben mir: „Was moachen denn die janzen Fruhen hier?“ fragt er. Eine berechtigte Frage, denn um uns herum schwatzen und lachen zwanzig Bikerinnen, alle so happy wie ich. Da ich immer noch mit meiner Buttermilch beschäftigt bin, kommt man mir von rechts zur Hilfe: „Wir sind auf Biketour hier – nur Mädels, toll gell?!“ Dem Mann fehlen die Worte, kopfschüttelnd zieht er von dannen. Wenn ich ehrlich sein soll, ist er nicht der erste Wanderer, dem wir begegnen und der es kaum fassen kann, fast zwei dutzend Frauen auf dem Bike bergauf oder bergab fahren zu sehen. Genau dieses Phänomen ist auch Karen Eller aufgefallen, Initiatorin des Frauencamps und Mitbegründerin der Agentur ‚Die Rasenmäher‘. „Die Idee, Bikecamps nur für Frauen anzubieten, kam mir im Jahr 2000. Immer mehr Frauen fuhren auf den gemischten Biketouren von Holger* und mir mit. Schnell wurde deutlich, dass Frauen häufig ganz andere Ambitionen haben, Biken zu gehen! Und um gleich mit einem Klischee aufzuräumen, damit meine ich nicht auf der Alm zu sitzen, Cappuccino zu trinken, um dann ganz gemächlich den Weg des geringsten Widerstandes ins Dorf zu nehmen! Für Frauen steht oftmals der Spaß am Biken im Vordergrund, ohne dass sie sich ständig mit anderen messen oder beweisen müssen“, erzählt Karen von ihren Erfahrungen. „Da Frauen nicht soviel Kraft haben, müssen sie technisch sauberer fahren. Sie sind meist nicht so schnell wie Männer und tasten sich langsamer an schwierige Fahrsituationen heran.“

Ihre Agentur ‚Die Rasenmäher‘ hat sich mit ihren Frauencamps auf diese Bedürfnisse spezialisiert. Und aus diesem Grund sitze ich nun um halb zwei in der Mittagssonne auf der Stutzalpe und schlürfe meine Buttermilch. Und die hab ich mir verdient. Hinter mir liegt ein Vormittag vollgepackt mit Vollbremsungen auf Schotter, verschiedenen Balanceübungen und Informationen zu Spitzkehren. Neben Karen Eller hat sich auch das Contessa-Team von Scott eingefunden: die immer zu Scherzen aufgelegte Kathrin Schön, außerdem Annette Keller und natürlich Karen.

Weibliche Betreuung ist wichtig für Karen: „Nur Frauen wissen wirklich, wie Frauen sich fühlen.“ Diese Rechnung geht auf, denn egal ob eine von uns stürzt oder am Abhang steht und sich nicht so richtig traut loszufahren - die drei finden immer die richtigen Worte der Aufmunterung und Motivation. Doch nicht nur die Technik wird geübt. Jeden Tag stehen tolle Touren durch das gesamte Kleinwalsertal an. Die Trails schlängeln sich an Flüssen entlang, führen geradewegs in fast mystisch wirkende Wälder und enden nicht selten - nach einem mehr oder weniger steilen Anstieg - an einer der vielen kleinen, süßen Almhütten, wo kühle, hausgemachte Holunderbeerschorle und Apfelstrudel gereicht werden. Aufgeteilt in drei Gruppen hat jede Camp-Teilnehmerin die Möglichkeit, das Kleinwalsertal ganz nach ihrem Können und Ansprüchen zu erkunden. Kathrin, Annette oder Karen stehen einem während der Tour mit Tipps und Tricks zur Seite, und das am Morgen erworbene Fahrtechniktraining kann gleich im Gelände angewandt werden.

Ausgangspunkt unserer Touren ist das Naturhotel Chesa Valisa, idyllisch gelegen in der Ortschaft Hirschegg. Für vier Tage haben wir hier unser Basislager aufgeschlagen. Das Naturhotel ist eine einzigartige Mischung aus ruhender Oase, moderner Architektur und naturbelassenen Lebensstils. So kann man sich zu jeder Tagesund Nachtzeit einen frischen Tee von der Teebar holen, morgens aus fünf unterschiedlichen Müslisorten wählen, in einer der verschiedenen Saunen die müden Beine baumeln lassen und im großen Garten relaxen. Da das Fahrtechnik- Training und die Touren bereits um neun Uhr morgens beginnen, kehren wir bereits am frühen Nachmittag wieder zurück, um den Komfort des Hotels noch richtig genießen zu können. Ausgleich zum Biken bietet die tägliche Yogastunde. Dafür ist extra Annett Münzinger aus München angereist. Einige Frauen haben bereits erste Erfahrungen im Yoga gesammelt, manche hatten allerdings noch gar nichts mit diesem Sport zu tun – obwohl Sport vielleicht nicht das richtige Wort ist… Annets Stunden sind ruhig und meditativ, man merkt aber schnell, dass die einzelnen Übungen und Haltungen doch einfacher aussehen, als sie es sind und so manches Schnaufen macht die Runde. Doch danach fühlt man sich fast wieder frisch und die Strapazen der langen Touren sind vergessen. Auch Jill Janz von Rocky Mountain und Steffi Römer von Maverick Bike haben den Weg ins Kleinwalsertal gefunden, um den Mädels neue Räder zum Testen anzubieten. „Meistens hat man gar nicht die Möglichkeit, ein Fahrrad wirklich im Gelände auszuprobieren, da dreht man dann eine Runde vor dem Shop und das war’s!“, so eine Teilnehmerin. Das wird bei diesem Camp ganz anders sein, denn noch steht die Singeltrailabfahrt vom feinsetn bevor. Schon am ersten Tag wurden die Enduro-Bikes für diese Abfahrt am Sonntagmorgen reserviert! Treffpunkt ist um acht vor dem Hotel. Die Leihprotektoren liegen bereit. In den Gesichtern ist eine gewisse Vorfreude zu erkennen, oder ist es Anspannung? Schnell fahren wir zur Gondel und werden auf 1.990m Höhe geshuttelt. Wir haben Glück, die Sonne taucht das Bergpanorma in ein warmes Licht, und bevor die ersten Wanderer hier oben sind, dürfen wir den Blick über das gesamte Tal genießen. Doch langsam macht sich das Kribbeln im Bauch bemerkbar. Endlich soll es losgehen. Schnell werden die Protektoren angeschnallt, der Sattel noch einmal tiefer gestellt, der Po fast auf den Hinterreifen gesetzt und runter geht’s. Was nun folgt, ist eine wahnsinnig schöne Abfahrt, vorbei an einsamen Almhütten, Wäldern und grasenden Kühen. Natürlich wird auch die neu erlernte Technik ausprobiert. Es geht Treppenstufen hinab, Spitzkehren werden gemeistert und Wurzeln im Bunny-Hop übersprungen. Viel zu schnell ist der Trail vorbei, was bleibt ist sichtbarer Stolz in den Gesichtern meiner Mitstreiterinnen. Denn obwohl zwischendurch auch mal abgestiegen wurde, hat sich jede von uns getraut, diesen Trail zu fahren. Mona bringt es auf den Punkt: „Mit Frauen in der Gruppe zu fahren, gibt noch einmal einen richtigen Motivationsschub. Fährt man mit Jungs, kann man sich immer rausreden: ‚Die sind ja auch kräftiger!‘, doch sieht man ein Mädel eine steile Passage fahren, denkt man sofort: ‚Das kann ich auch!‘“

Und so sitzen nun zwanzig glückliche Bikerinnen auf der Stutzalpe, genießen den tollen Ausblick und trinken eisgekühlte Buttermilch. Und alle sind sich einig: Dieses Tour verlangt nach einer Wiederholung! Einen großen Dank an Karen und ihr Team, die mit sehr viel Spaß und Freude diesen Sport an viele, viele Frauen weitergeben. Und für die Männer : Sollte euch noch das richtige Geschenk für eure Liebsten zu Weihnachten fehlen, schaut euch doch einfach mal die neuen Termine für die nächsten Frauencamps von Karen an! Etwas Besseres kann man kaum verschenken!

(*Holger Meyer, Scott-Biker und Freeride-Legende)

Text: Eliane Lehmann

 

Impressionen und Informationen:
 

Der gesamte Artikel ist nachzulesen in der Ausgabe 05/2008 des Pedaliero.

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